Die
Orgel der Dorfkirche Groß Trebbow wurde ursprünglich für die
Schlosskirche in Schwerin erbaut und dort in der zweiten Jahreshälfte
des Jahres 1855 in Dienst genommen. Dies belegt ein Artikel aus dem
„Norddeutschen Korrespondenten“
vom 23. April 1856.
In diesem Schreiben wird vermerkt:
„Das Aeußere der Orgel ist brillant und den Räumen der kleinen
schönen Kirche ganz angemessen;
die Spielart ist äußerst angenehm
und leicht;
die Kraft des Ganzen den Räumen der Kirche vollkommen entsprechend
und wirkt unter besonderen Umständen sogar ergreifend;
die zarten Stimmen wirken sehr lieblich und einschmeichelnd;
für reichhaltige Abwechslung derselben ist bestens gesorgt.“
Am Schluß des Gutachtens von Orgelbaumeister Lütkemüller und Pastor
Wöhler wird festgestellt: „...können
wir dem Werke des Hof-Orgelbauers Friese sowohl im ganzen wie im
Einzelnen unsere Anerkennung und Zufriedenheit nicht versagen –
sondern müssen sie für ein Werk erklären, welches seinem Erbauer Ehre
macht.
Und da wir gehört haben, dass unter der Oberleitung des Vaters
der Sohn,
der junge Orgelbauer Friese, welcher zuletzt in Paris sich
zu seiner Kunst vervollkommnete, hauptsächlich bei dieser Orgel
schaffend und arbeitend mitgewirkt hat: so ergreifen wir mit Freuden
die Gelegenheit, um den Friese jun. Als einen tüchtigen,
kenntnisreichen, strebsamen und dabei so anspruchslosen jungen Mann
rühmend hervorzuheben...
So möge denn
diese, von der Hand eines redlichen Meisters so glücklich vollendete,
treffliche
Kunstwerk lange zu Gottes Ehre ertönen....“ *
Die ursprüngliche Disposition:
A.Hauptwerk
1)Principal 8 Fuß im Prospect von reinem englischen Zinn mit
weiter Mensur,
aufgeworfenen Labien und vollem, starken Ton
2)Bordun 16 Fuß, die beiden tiefsten Octaven aus gutem
schwedischen Tannenholz,
die übrigen von Metall
3)Rohrflöte 8 Fuß, die große Octave von Tannenholz, Fortsetzung
in Metall
4)Viola di gamba 8 Fuß, die große Octave gedeckt, von 14 löth.
Berliner Probezinn
5)Octava 4 Fuß, aus Metall
6)Progressia harmonica 2 – 5fach
B Oberwerk im
Schwellerkasten
1)Geigen-Princupal 4 Fuß, von 14 löth. Zinn
2)Gedact 8 Fuß, von Metall
3)Flute octaviante 4 Fuß, von Metall
4)Vox céleste, von 12 löth. Metall, ist gegen Principal eine
Schwebung tiefer
und bildet dadurch einen Tremulanten
5)Octavin 2 Fuß, von Metall
C Pedal
1)Subbass 16 Fuß, von schwedischem Tannenholz
2)Violon 8 Fuss, von schwedischem Tannenholz
3)Octav 4 Fuß, von Metall *
*Quelle: Norddeutscher Correspondent Schwerin, Mittwoch,
den 23. April 1856 / lt. „Jaehn-Akte“ vom 19.02.1982
Im
Jahre 1874 erfolgte „auf herzöglichen Wunsch“ eine Änderung der
Disposition.
Die Rohrflöte (Hauptwerk) wurde durch ein „Gedackt 8‘“ ersetzt,
die „Progressio Harmonica 2 – 5fach“ durch Flöte 4‘“,
das 4-Fuß-Register „Geigen-Prinzipal“ (Oberwerk) wurde in
ein 8-Fuß-Register umgewandelt,
die „Voix celeste“ (OW) in eine „Viola d‘ Amour“ (8 Fuß),
„Octav 4 Fuß“ in „Baßflöte 8 Fuß“.
Im
Jahre 1911 wurde die Schlosskirchenorgel zum Verkauf ausgeschrieben. In einem Schreiben des
Oberkirchenrates vom
12, Juni 1911 heißt es: „In der hiesigen
Schloßkirche wird im nächsten Jahre eine neue Orgel aufgestellt
werden, wodurch die bisher benutzte verfügbar wird.
Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben infolgedessen, nachdem
bereits eine Bitte um schenkungsweise Überlassung der alten Orgel
eingegangen ist, den Vortrag des Oberkirchenrates darüber befohlen,
welche Kirchen des Landes für die Abgabe der Schloßorgel in Betracht
kommen können. Die Pastoren werden deshalb aufgefordert, etwaige
wünsche um Überlassung der Orgel an eine der Kirchen ihrer Gemeinde an
den Oberkirchenrat zu richten, und wollen sich dabei über die in Frage
kommenden Verhältnisse, insbesondere auch über die
Vermögensverhältnisse der Kirche und Gemeinde äußern.“
Die oberste
Verwaltungsbehörde des Großherzoglichen Haushalts teilte am 18.08.1911
mit, daß „mit Allerhöchster Genehmigung Sr.
Königlichen Hoheit der Großherzogs die Schlosskirchenorgel an Herrn
Kammerherrn von Barner verkauft worden ist“.
Ob dabei der ursprünglich erwähnte Verkaufspreis („ein Viertel der
ursprünglichen Baukosten von 5028 Mark = 1257 Mark“)
gezahlt wurde, ist nicht bekannt.
Bei der Umsetzung der Orgel nach Groß Trebbow änderte Marcus Runge die
Traktur für die Pedalregister sowie für die von ihm ebenfalls
ergänzten tiefen Töne im Oberwerk, die seither
pneumatisch angesteuert werden.
Der Einbau der
Orgel in der Kirche Groß Trebbow erfolgte im Frühjahr 1913, die Weihe
durch Pastor Haack (in Vertretung des Landessuperintendenten Behm)
am
1. Sonntag nach Trinitatis, dem 25. Mai 1913.